Nathalie Delay erhielt die Übertragung der Pratyabhijna Linie des kaschmirischen Tantrismus nach 12 Jahren intensiver Praxis und ist heute eine erwachte Meisterin dieser Linie.

Ihre Lehre, kristallklar und schnörkellos, ist in ständiger Kommunikation mit der räumlichen Quelle des Herzens; ihre Sensibilität erlaubt ihr eine extrem direkte Kommunikation mit Ihren SchülerInnen: einfach und tief berührend. Sie verkörpert perfekt das Ideal Pratyabhijna, das auf keine Rituale und keine Form zurückgreift, aber direkt dazu einlädt, in die Quelle des Selbst zu tauchen.

Nathalie ist Kunstmalerin und Ihre subtile Schöpferkraft findet sich in der Art Ihrer Unterweisung wieder: orginell und spontan.

Das Seminar dauert von Samstag, 17. Sept. (10.oo) bis Donnerstag, 22. Sept. (13.oo) 2011.

Inhalte: Tantra-Yoga, Tandava und Meditation.

Der Seminarort ist im Waldviertel: 3532 Rastenfeld und liegt nahe der Burg Rastenberg. Das Seminarzentrum selbst heißt: "Lichtung" - so wie unser Verein (die beiden haben aber bis auf die gemeinsame Freude über Daniel Odiers Seminare nichts mitsammen zu tun) - und ist eine riesige Pyramide, erbaut aus Holz und Glas auf einem außergewöhnlichen geomantischen Platz in einer stillen Waldlichtung. Die Seminargebühr beträgt: Euro 400,- (Teilnehmerzahl beschränkt!)

Die Übernachtung ist im liebevoll renovierten Meierhof der Burg möglich, der aber mit seiner Bettenkapazität begrenzt ist. (Einzel-Zi. Euro 74,- / Doppel-Zi. Euro 69,- / Dreibett-Zi. Euro 63,- und Meditationsraum mit Matratzen Euro 58,- pro Tag - inclusive Verpflegung). Die Mahlzeiten sind vegetarisch und erfolgen im Seminarhaus. Wer sich erst später anmeldet, wird in dem benachbarten Dorfgasthof untergebracht werden. (Doppel-Zi. Euro 20,- / Einzel-Zi. Euro 22,- pro Nacht. Der Preis für die vegetarische Verpflegung im Seminarhaus - incl. Tee-Kaffepausen und incl. Seminarraummiete - beträgt in diesem Fall: Euro 48,- pro Tag/Person.)

Anmeldung und weitere Information: V e r e i n L i c h t u n g


zurück zum Terminkalender


DIE MEISTERIN DER STILLE

Die Französin Nathalie Delay lässt uns in folgendem Interview daran teilhaben, was spirituelle Praxis und die Erfahrung von Erleuchtung inmitten von betriebsamen Alltag für sie als Frau und als Tantra-Meisterin bedeuten.

Nathalie, Sie sind einen sehr interessanten Weg gegangen: einerseits Ausbildung, Beruf, Familie - ganz typisch für eine westliche Frau - andererseits sind Sie einem Erleuchtungspfad gefolgt - eher untypisch für eine westliche Frau. Wie haben Sie all die realen Aufgaben und Anforderungen mit der spirituellen Praxis verbinden können? Ich nehme an, dass auch Ihr Tag nur 24 Stunden hat, auch Ihre Kräfte irgendwann erschöpft sind, auch Sie unter der typischen Mehrfachbelastung der westlichen Frau manchmal geächzt haben. Wie gelingt es Ihnen, so konsequent einen Erleuchtungsweg zu gehen und sich trotzdem den Herausforderungen des Alltages zu stellen?

Als ich meinen Meister Daniel Odier getroffen habe, arbeitete ich in Paris als Vollzeit – Art- direktorin, ich war verheiratet und hatte eine zweijährige Tochter. Ich war sozusagen „overbooked“. Es war mir unmöglich, eine halbe Stunde zu haben, um allein in Ruhe zu meditieren. Ich war sehr oft entmutigt, weil ich damals überzeugt war, dass dieser Kontext mich daran hindern würde auf dem Weg voran zu kommen. Oft wollte ich Mann, Arbeit, Kind aufgeben, um in der Tiefe des Himalajas zu verschwinden. Glücklicherweise hat mir mein Meister immer davon abgeraten und meinte, genau dieser Kontext wäre ideal für mich. Später verstand ich, dass er Recht hatte. Diese Situation hat mich vor der Falle eines romantischen Asketenlebens, völlig abgeschnitten von der Welt, bewahrt und hat mich gezwungen zu entdecken, wie es möglich ist, innerhalb von Tätigkeiten und Pflichten zu praktizieren. Die Praxis hat sich dadurch total in meinen Alltag integriert, - und dieser ist mein kreativstes Erkundigungsfeld geworden.

Was bedeutet Erleuchtung/Verwirklichung für Sie. Wie haben Sie sie erfahren? Wie kann ich mir diese als Unerfahrene vorstellen?

Das Erwachen ist ein karmischer Zufall. Es ist radikal und brutal. Darauf kann man sich nie vorbereiten. Wenn es geschieht, verschwindet der Kommentator augenblicklich. Es bleibt nichts als Öffnung, Raum und totales Gewahrsein. Es gibt niemanden mehr, der sich die Erfahrung aneignen, kommentieren oder auf seine persönliche Geschichte beschränken will. Man wird Eins mit dem Universum. Es ist wie ein gegenseitiges Wiedererkennen zwischen dem Universum und einem selbst. Das ist sehr berauschend. Ich fühlte mich trunken von einer überströmenden, grundlosen Freude, von einer massiven Öffnung, die sich endlos ausbreitete. Aber derjenige, der sich das Erwachen vorstellen will, ist genau der, der sterben muss, damit das geschehen kann. Diese Erfahrung ist jenseits von einem selbst und geht darüber hinaus. Also ist es vergeblich zu versuchen, sich das vorstellen zu wollen.

Erleuchtet wird Mensch ja nicht so nebenbei oder doch? Oder haben Sie hart daran gearbeitet?

Man kann die Erleuchtung ohne irgendeine Vorbereitung oder Praxis erfahren. Bei einem emotionalen Schock zum Beispiel. Aber um die Kraft und die Radikalität dieses Ereignisses zu integrieren, erachte ich es wichtig, den Körper/Geist durch Praktiken, die über tausende von Jahren durch die Erfahrung von verwirklichten Yogis und Yoginis entwickelt und verfeinert wurden, vorzubereiten.
Dann - nach dem Erwachen - ist die Gegenwart eines Gurus, einer Linie und von Praktiken, die von einer authentischen Tradition stammen, eine unschätzbare Hilfe, damit sich das Aufblühen weiterhin in Anmut, Harmonie und Tiefe entfalten kann.

Wollten sie erleuchtet werden oder ist es passiert? Kann Mensch Erleuchtung überhaupt wollen? Ist es Gnade oder beharrliches Dranbleiben?

Ja, ich war förmlich vom Erwachen besessen, das war die wichtigste Sache in meinem Leben!
Diese Besessenheit hatte eine Konstante und für meine Praxis eine gnadenlose Entschlossenheit erschaffen. Und gleichzeitig muss ich sagen, dass es ohne mein Tun geschah, die Intensität des Rufes war so machtvoll, dass ich nicht widerstehen konnte.

Oft wird gesagt: Wasser tragen/ Holz hacken vor der Erleuchtung, Wasser tragen / Holz hacken danach. Wie ist Ihr Leben danach? Oder gibt es gar kein Danach?

Man bleibt genau dieselbe wie zuvor, das konkrete Leben ändert sich nicht. Man macht weiterhin seine Einkäufe im Supermarkt, Staubsaugen und die Miete zahlen. Aber etwas ist radikal verschwunden, ein Schleier ist unwiederbringlich zerrissen. Das ist so, als ob man das Breitwinkelobjektiv entdecken würde, nachdem man Jahre damit zugebracht hat, beim Zoomobjektiv stecken zu bleiben! So entdeckt man, dass der Raum den Hintergrund für alle Ereignisse bildet, und dass das der natürliche Zustand ist. Die Probleme des täglichen Lebens verschwinden nicht, aber sie sind nicht mehr problematisch, denn die irrige Idee, dass das, was einem geschieht, nicht richtig sei, und dass es anders sein müsse, hört auf. Nach dem Erwachen ist man der Überzeugung, dass alles vollkommen ist, selbst, wenn es nicht bequem ist.

Ihr Meister ist Daniel Odier, also ein Mann. War da auch manchmal die Sehnsucht nach einer Frau als Meisterin?

Manchmal hätte ich mir gewünscht, dass er meine Situation als Frau und Mutter solidarischer betrachtet hätte, aber andererseits sind das nur „Verzierungen“. Was immer da war, war seine Anerkennung mit dem Herzen. Auf dieser Ebene wird das Schildchen Mann oder Frau zu einem Konzept, das uns von der Quelle abhält. Über seine physische Erscheinung hinaus ist mein Meister nur Raum. Dorthin bin ich ihm gefolgt und habe mich mit ihm vereint.

Gibt es für Sie eine weibliche und männliche Praxis? Wenn ja, was ist der Unterschied?

Nein, die gibt es nicht. Es ist nur das Mentale, das etikettiert, das es nötig hat, einen Unterschied zu erkennen.

Was bedeutet Frausein für Sie?

Eine Frau ist ein lebendes Wesen mit der Fähigkeit, die Unterweisungen dreihundertfünfundsechzig mal schneller als ein Mann zu verstehen und zu integrieren. Für sie ist die kreisrunde Logik - die Gegensätze begegnen sich, verschmelzen und werden eins - quasi angeboren. Das ist es, was die Frau für den Mann so unverständlich macht!

Gibt es zwei Nathalies? Die Meisterin und die Alltagsfrau?

Nein, es gibt Nathalie und den völlig ineinander übergreifenden Raum; gelegentlich ist es für Nathalie nötig, aus sozialen und praktischen Gründen in die erste Ebene überzugehen. Denn es ist in der Tat für meine Tochter viel einfacher, dass Nathalie sie zur Schule bringt. Wenn es der Raum täte, würde sie ernsthafte Probleme mit Fehlstunden bekommen!

Wie kommunizieren Sie ihre Erfahrungen Ihren Kindern? Halten Sie sie zur Meditation an? Wie meinen Sie, sehen sie ihre Mami?

Meine Tochter sieht mich seit zwölf Jahren in ihrer Gegenwart praktizieren und meditieren, ganz einfach, ohne formelle Rituale. Die Praxis ist Teil unseres Alltags. Meine Tochter war sogar an dem Tag des Erwachens da. Sie hat es direkt in ihrem Leib miterlebt. Das war eine sehr kraftvolle Erfahrung für sie. Gelegentlich nehme ich sie in der Lotusstellung auf meinen Schoß. Ich atme mit ihr, sie lässt sich ein, und ich spüre, dass sie den meditativen Zustand auskostet. Tatsächlich bekommt sie tagtäglich Unterweisungen live: durch Präsenz und Zuhören erhält sie die Übertragung praktisch auf Zellenebene. Schließlich hat sie als Gegenüber einen Menschen, der keine Rolle spielt, dessen Körper in Harmonie ist mit dem, was er sagt; mit dem sie spielen und alles wagen kann, ohne Angst seine Liebe und Anerkennung zu verlieren.

Sie unterweisen die shivaitisch tantrische Tradition des Kaschmir, eine Jahrtausende alte Tradition. Wie definieren Sie das Besondere an Ihrer Weitergabe?

Ich gebe eine lebendige Tradition weiter, die sich auf kein Dogma und keinen Glauben stützt. Anstelle von Lehren gebe ich vielmehr die Kunst, Bewusstsein und Achtsamkeit inmitten des Alltagslebens zu praktizieren, weiter. Aufgrund der Tatsache, dass ich Frau und Mutter bin, die mitten im aktiven Leben steht, habe ich eine besondere Affinität zum Yoga des Gewahrseins der Wirklichkeit und zu den Praktiken des Vijnanabhairava Tantra.

Was können Sie suchenden Menschen in den Retreats, die sie europaweit abhalten, mit auf den Weg geben?

Ich gebe ihnen nichts, was sie nicht schon haben. Ich begleite sie einfach, dank meiner eigenen Erfahrung, auf ihrer Rückkehr zu ihrem eigenen Herzen. Eine Meisterin ist der Weg! Durch ihre Gegenwart kann die Essenz des Schülers und der Schülerin zum Vibrieren und Schwingen gelangen. Dies erlaubt, nach und nach das eigene Selbst zu erkennen.
Mein erstes Retreat in Österreich findet von 19.-23.Sept. 09 in Rastenberg im Waldviertel statt. Alle Meditationstechniken wie Tantra-Yoga oder Tandava und die während des Retreats übermittelten Texte aus dem Vijnanabhairava Tantra sind Hilfen, um das Wiedererkennen zu beschleunigen. Ich kommentiere Strophen dieses Textes anhand meiner eigenen Erfahrung und Praxis, um ihre Essenz mit den Praktizierenden zu teilen.
Es wird ein Schweige-Retreat sein. - Schweigen, also Stille, ermöglicht uns, auf das zu „hören“, was ist und in den Raum einzutauchen.

Möchten Sie manchmal auch „NICHT ERLEUCHTET SEIN“?

Die, die will, existiert nicht mehr!


Das Gespräch führten Roswitha Sirninger und Zafer E. Feichtner vom Verein Lichtung.
Wer mit der Meisterin der Stille, Nathalie Delay, in Kontakt treten oder an ihrem Retreat in Österreich teilnehmen möchte, ist herzlich eingeladen, sich an folgende Adresse zu wenden: tantra@aon.at – Tel.: 02749 / 2594 (Verein Lichtung, Uttenhofweg 1, 3386 Wimpasing)