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Freiheit des Körpers -
eine tantrische Wasser-Erfahrung

Erfahrungsbericht von Gerd Janko, Krems

Nur wenn es heiß ist, gehe ich gerne schwimmen. Als Schüler hat es mir einmal Spaß gemacht, Wasserball zu spielen. Aber mit Tantra kann ich das Wasser nicht recht in Verbindung bringen. Deswegen bin ich sehr gespannt, ob mir dieses Element etwas Neues vermitteln kann.

Es ist ein kühler Morgen, und Amselgesang begrüßt die aufgehende Sonne. Aus der Mitte der Badeanlage ist das Rauschen des Wassersprudels zu hören, sonst ist es still.
Wir haben uns alle schweigend rund um ein dampfendes Wasserbecken aufgestellt und sind voll Erwartung. Die Seminarleiter bitten im Zentrum des heißen Naß die Kraft des Wassers, mit uns zu sein: die Kraft der Reinigung und des Loslassens, die Kraft des Inneren Kindes und der Lebensfreude, die Kraft, die selbst den Stein rund macht. Daran bleiben meine Gedanken hängen: Ja, ein bißchen runder und weicher zu sein, das wünsch ich mir - besonders in der Begegnung mit Menschen. Da fühl ich mich so eckig und steif. - Den Rest höre ich nicht mehr.

Ich will ins warme Wasser. Mit dem Hinweis langsam und achtsam vom Land ins Wasser zu gehen, wechseln wir das Element und lassen uns in diese herrliche Quelle gleiten, die weich meine Haut umspült. "Schließ die Augen!" - Hab ich doch längst zu. - "Tu einfach einmal gar nichts!"
"Spür hin, was das Wasser von dir will, wozu es dich anregt!" - Normalerweise spritze und plantsche ich im Wasser sofort herum, mach Lärm und Action. - Einmal gar nichts tun?
Ein bißchen sinke ich nach rechts und nach links, verlier den Boden, treibe wie ein Ei, stoße sanft mit jemandem zusammen, lasse meinen Kopf nach hinten zurückfallen. Ein unendlich großes Bedürfnis zu sinken und loszulassen überkommt mich.

Eine Teilnehmerin faßt mich vorsichtig unter dem Kopf und unter dem Kreuzbein. Ich folge der liebevollen Einladung, laß meinen Kopf ganz los und schwebe im Wasser. "Atme sanft und entspannt", wird mir ins Ohr geflüstert. Ich steige und sinke, steige und sinke, steige und sinke.

Liebevoll und sicher sind ihre Hände da. Meine Ohren tauchen ins Wasser. Der Lärm der Welt verklingt. Ich höre nur mehr das Rauschen des Wassers und meinen Herzschlag. So nahe und ganz bei mir. Und so allein! - Mein Körper spannt sich. Aufhören!
Der Kopf des mich wiegenden Schutzengels legt sich leicht auf mein Herz. Ihr Ohr horcht zärtlich in mich hinein. Jetzt atmet sie mit mir im selben Rhythmus. Unser Atmen ist wie ein Dialog zwischen uns.
Langsam beginnt meine Partnerin, mich in großen Schleifen durch das Wasser zu bewegen. Einmal wird meine linke Seite gestreckt, dann meine rechte.

Mein Körper dehnt sich aus. Ich spüre wie alte Spannungen sich auflösen. Das Wasser trägt mich, und mein Atem wird immer ruhiger. Ich wechsle von der Ebene des Tuns zur Ebene des Seins.

Meine Gewohnheit ist, zu bestimmen und zu kontrollieren. Das ist mir vertraut. Dagegen jetzt: so verdammt passiv, so hingegeben in die Frauenhände und an das ewig mich umspülende Wasser - da werde ich unsicher. Andererseits tut es mir so gut! In mir entbrennt ein Kampf zwischen: "Komm mir nicht zu nahe - stopp mit dem Geschaukel!" und: "Bitte, so laß mich doch einfach nur genießen!"

Die Bewegungen werden weiter und dynamischer, meine Arme, Schultern und Beine gestreckt. Ah! Mein steifer Körper sehnt sich nach Öffnung und Weitung. Er freut sich an diesen schwerelosen Bewegungen. Es wird mit ihm getanzt, gespielt - und es ist wunderbar.
Was es genau ist, krieg ich gar nicht mehr mit. Ich verliere jegliches Gefühl für das Gewicht meines Körpers. Mein Nacken ist endlich frei, und mein Kopf ruht gelöst im Wasser. Ich lasse los, ganz drinnen bei mir, nämlich meine ständige Kontrolle... Sind das nun Tränen? Oder ist ein bißchen Wasser über mein Gesicht geschwappt ?

Die Grenze zwischen mir und dem Wasser, die Grenze zwischen dem Innen und dem Außen, verschwimmt langsam. Ich dehne mich aus - unendlich weit. Bis der Tanz ruhig wird. Wieder steige und sinke ich. Das Wasser atmet mich. Eingehüllt in wässrige Geborgenheit träume ich von längst vergangenen Seinszuständen.
Inzwischen liege ich wohl behütet zwischen den Armen und am Herzen meines Engels. Mein Pulsschlag - ihr Pulsschlag? Wer weiß das schon...

Irgendwann lande ich wieder am Rand des Beckens. Lange muß sie mich halten, bis ich bereit bin, auf eigenen Füßen zu stehen. Noch immer die Verbindung unserer beider Herzen. Auch als ich die Augen aufmache, und mir zwei Sterne entgegenleuchten. Danke! Namasté!

Verwunderung über mich, so den Kopf verloren zu haben. Bewunderung für sie: diese Frau ist zwei Köpfe kleiner als ich! Um mich herum tanzt es noch! Ein Auf und Ab, ein Wiegen, ein Walzer der Wellen. Wie schön! Sehr, sehr langsam steige ich aus dem Wasser auf die Wiese.
Wie neugeboren. Alles ein wenig anders. Aha, die Welt ist noch immer hart und kantig! So werde ich mich wieder umstellen müssen. Aber in mir drinnen darf ich etwas weiter und fließender bleiben!
Verein Lichtung
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